Springe zu:

Boden düngen und pflegen

© S. Lazar

Das Ziel ist ein fruchtbarer Boden

Durch die landwirtschaftliche Nutzung werden dem Boden Nährstoffe entzogen. Ohne Düngung wird der Boden ausgelaugt und die neu gesäten Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten. Um dem vorzubeugen, werden oftmals Pestizide und Mineraldünger eingesetzt. Aber es gibt Alternativen.

© S. Lazar

Mulchen - Pflegen und Düngen gleichzeitig

Beim Mulchen werden Pflanzenreste als organischer Dünger an bzw. nahe der Bodenoberfläche belassen. Eingemulcht werden vor allem Ernterückstände wie Stoppeln oder auch Grünpflanzen und Stallmist. Beim Mulchen können die Pflanzenrückstände im Boden von den Bodenlebewesen wieder zu Humus umgesetzt werden. Der Oberboden wird dabei stabilisiert und aufgelockert und bekommt Nährstoffe zugefügt. Aber das Mulchen bietet noch weitere Vorteile:
- die verbesserte Aufnahme von Niederschlagswasser
- die Verringerung von Verdunstung und Erosion (besonders in warmen Gebieten)
- den Schutz vor Erosion, Verschlämmung, Austrocknung und Frost
- die Unterdrückung von Unkraut
- die Förderung des Bodenlebens

© S. Lazar

Über Unkrautregulierung und Pflanzenschutz

Heuschreckenplagen sind zum Glück selten geworden. Gefräßige Insekten, die zu Ernteeinbußen führen, werden meist konsequent bekämpft. Aber es gibt verschiedene Wege zum Erfolg:

© A. Rehse

Pflanzenschutzmittel

Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind effektiv. Sie vernichten die Schädlinge - leider werden die nützlichen Bodenbewohner gleich mit abgetötet. Als bodenschonend können sie also nicht bezeichnet werden. Sie bergen zusätzlich die Risiken, dass Rückstände ins Trinkwasser und in Nahrungsmittel gelangen und die Resistenzbildungen bei Krankheiten und Schädlingen gefördert werden.

© S. Lazar

Gesundheitsvorsorge

Im Vordergrund sollte stattdessen die Förderung der Pflanzengesundheit bzw. die Beseitigung der Ursachen für Schädlingsbefall und vermehrtes Unkrautaufkommen stehen. So kann z.B. durch vielseitige Fruchtfolgen und die aktive Förderung von Nützlingen der Einsatz von chemischen Mitteln reduziert werden. Als weitere Maßnahmen stehen das Abflämmen von Wildkräutern und die mechanische Beseitigung durch Hacken, Striegeln und Bürsten zur Verfügung.

© C. Korff

Bodenmüdigkeit durch Fruchtfolge vermeiden

Die Stabilität von Ökosystemen ist auf einer möglichst großen Artenvielfalt begründet. Deshalb ist die abwechslungsreiche Gestaltung der Fruchtfolge wesentlich für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Dagegen führt der Anbau von Monokulturen zur einseitigen Belastung. Es entsteht nach einiger Zeit eine Bodenmüdigkeit, durch die Pflanzen anfälliger für Krankheiten werden.
Ertragssteigerung
Eine gut durchdachte Fruchtfolge, beispielsweise der mehrfache Wechsel von Halmfrüchten (z.B. Roggen und Weizen) zu Grasland und Blattfrüchten (z.B. Zuckerrüben) oder Leguminosen (Link auf Leguminosen in bodenwelten) wird die Bodenfruchtbarkeit und biologische Aktivität des Bodens erhalten und steigern.
Unkraut unterdrücken
Die Fruchtfolge kann Erosion vermeiden, Unkraut regulieren bzw. unterdrücken, Schädlinge und Krankheiten abwehren, die hofeigenen Tiere mit Futter versorgen etc. Sie ist außerdem eine gute Risikoabsicherung gegen extreme Witterung, Markteinbrüche und verhindert extreme Arbeitsspitzen.

© S. Lazar

Wichtige Grundsätze

  • Sinnvoll ist der Wechsel zwischen bodenverbessernden Kulturen (z.B. Kleegras), anspruchsvollen Pflanzen (z.B. Weizen) und anspruchslosen Kulturen (z.B. Roggen).
  • Der Leguminosen-Anteil (z.B. Klee) sollte an der Hauptfrucht mindestens 25 % betragen, um den Stickstoffbedarf auszugleichen.
  • Wichtig ist auch der möglichst häufige Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten, damit der Boden nur geringe Zeit unbedeckt bleibt.
  • Sinnvoll ist auch eine ein- oder mehrjährige Grünbrache zur Düngung und Unkrautunterdrückung.
  • Die gleiche Pflanzenart sollte erst nach mehreren Jahren wieder angebaut werden.
© S. Lazar

Den Nährstoffbedarf des Bodens decken

Da dem ackerbaulich genutzten Boden durch die Ernte mit den Pflanzen regelmäßig Nährstoffe entnommen werden, muss ihm die organische Substanz wieder zugeführt werden, damit er lebendig und nährstoffreich bleibt.

© S. Lazar

Einsatz von Mineraldünger

Die direkte Düngung der Pflanzen durch den Einsatz von leicht löslichen Mineral(Kunst)düngern mit Phosphat, Kali und Nitrat führt oftmals zu Rückständen in Lebensmitteln, Boden und Grundwasser. Ihr Verzicht bzw. ihr sparsamer Einsatz schont dagegen den Boden. Da Phosphor aus Gestein, Kali aus Salzminen und Stickstoff mit Hilfe fossiler Energie aus Luft gewonnen wird, kommt es zu einer verstärkten Ausbeutung von Ressourcen.

  • Durch zu hohe Konzentrationen ist eine Zerstörung des Bodenlebens möglich und bei den Pflanzen steigt der Wasserbedarf. Insbesondere freies Nitrat ist für viele Pflanzen giftig und kann zu Störung von Ernährung und Immunsystem führen. Die Struktur des Bodenlebens wird insofern verändert, als die mit Stickstoffein- und -umbau beschäftigten Bakterien arbeitslos werden und verschwinden.
  • Aufgrund der Wasserlöslichkeit besteht verstärkte Ausschwemmungsgefahr, was bei Nitrat eine Vergiftung des Trinkwassers und bei Phosphat eine Überdüngung von Gewässern zur Folge hat.
  • Schließlich besteht die Gefahr von Nitratrückständen in Nahrungsmitteln.
© S. Lazar

Einsatz von Düngekalk

Der pH-Wert, das Puffervermögen und die Basensättigung im Boden sind wichtig für die Bodenfruchtbarkeit. Daher wird seit Jahrhunderten Kalk auf die Böden gestreut, wenn sie zu sauer geworden sind, d.h. wenn der pH-Wert zu niedrig ist. Mit der Kalkung wird sowohl die Bodenstruktur und das Bodenleben verbessert als auch die Nährstofflöslichkeit und -verfügbarkeit optimiert. Dabei gibt es je nach Bodenart und Humusgehalt pH-Werte, die sich als günstig erwiesen haben. Zu beachten sind auch die pH-Wert-Ansprüche der einzelnen Pflanzenarten. Diese können sich ebenfalls unterscheiden.

© S. Lazar

Organisches Material zuführen

Organische Substanz wird meist in Form von Stallmist, Gründüngung und Kompost in die Böden eingebracht. Zu beachten ist allerdings, dass Stallmist wegen möglicher chemischer Rückstände (Arzneimittel und organische Schadstoffe aus der Fütterung) nicht aus der Intensivtierhaltung kommt. Auch aus anderen Betrieben ist eine sparsame Dosierung notwendig, die an die Speicherkapazität des Bodens angepasst ist, um eine Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser zu verhindern. Er sollte nach kurzer Zwischenlagerung in halbtrockenem Zustand dünn bzw. schleierartig mit einem Breitmiststreuer aufs Feld gebracht werden, damit genügend Sauerstoff zur Umsetzung vorhanden ist. Zur Stabilisierung der oberen Krümelschicht und zur Anregung der Humusbildung ist eine mechanische Einarbeitung durch Grubber oder Scheibeneggen sinnvoll. Neben Gründüngung und Stallmist stellt die Aufbringung von Kompost eine weitere Möglichkeit dar, dem Boden organisches Material zuzuführen.

© C. Korff

Rinder auf der Weide

Auf die Ausbringung von Gülle, also Flüssigmist sollte man aus Bodenschutzgründen verzichten. Wird zu viel Gülle ausgebracht, ist die bakterielle Umsetzung der Nährstoffe durch Sauerstoffmangel gehemmt. Dabei können unter Luftabschluss giftige Verbindungen entstehen, die den Pflanzen und dem Bodenleben schaden. Außerdem ist etwa die Hälfte des in der Gülle enthaltenen Stickstoffs sofort pflanzenverfügbar und leicht löslich und birgt deshalb wie Mineraldünger die Gefahr, ins Grundwasser ausgewaschen zu werden. Wesentlich wichtiger ist jedoch, dass Gülle oftmals Rückstände aus Tierarzneimitteln und organischen Schadstoffen enthält, die damit auf den Acker ausgebracht werden.

© P. Meyer, aid

Gründüngung

Eine bodenschonende Möglichkeit der organischen Düngung besteht im Einschub einer Grünbrache in die Fruchtfolge. Hierbei sollten möglichst viele verschiedene blattreiche Arten, die den Boden gut durchwurzeln, angesät werden. Durch die dichte und tiefe Bewurzelung wird die Bodenstruktur gleichzeitig verbessert und stabilisiert. Später werden die Pflanzen mehrmals geschnitten, angetrocknet, eventuell zerkleinert und in den Boden eingearbeitet.

© A. Rehse

Anbau von Leguminosen

Der Bedarf an Stickstoff kann allein durch den Anbau von Leguminosen (z.B. Klee oder Luzerne) gedeckt werden. Leguminosen sollten etwa ein Drittel der Fruchtfolge ausmachen. Durch Kleegrasanbau können im Jahr bis zu 300 kg Stickstoff gebunden werden. Um optimale Bedingungen für die Knöllchenbakterien zu erreichen, muss der pH-Wert des Bodens gelegentlich mit Kalkdünger angehoben werden.

© P. Meyer, aid

Die biologische Aktivität anregen

Bodenorganismen sind eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, da erst durch ihre Aktivität Pflanzenreste zersetzt und Humussstoffe freigesetzt werden. Eine sinnvolle Mineraldüngung zur Anregung der biologischen Aktivität kann dabei z.B. in Form von Kalk und u.U. Gesteinsmehl erfolgen.

Klärschlamm

Weit verbreitet ist das Aufbringen von Klärschlamm auf den Acker. Klärschlamm als Abfallprodukt der Gewässerklärung enthält Stickstoff und Phosphat und wird deshalb gerne zur Düngung verwendet. Oftmals sind darin aber unerwünschte Schadstoffe enthalten. Wichtig ist folglich, dass nur dann Klärschlamm auf die Felder aufgebracht wird, wenn dieser keine bzw. nur geringfügig Schadstoffe enthält. Es ist schließlich nicht besonders sinnvoll, wenn aufwändig Schadstoffe aus dem Abwasser gefiltert werden, um sie dann in Form von Klärschlamm wieder auf die Felder zu bringen.